Maria Mafiosi
Filmbewertung: akzeptabel
Starttermin: 15.06.2017
Regisseur: Jule Ronstedt
Schauspieler: Lisa Maria Potthoff, Serkan Kaya, Antonella Attili
Entstehungszeitraum: 2016
Land: D
Freigabealter: 12
Verleih: Universum
Laufzeit: 93 Min.
Romeo und Julia in Oberbayern
Um ihren Liebhaber einmal ungestört in die Arme schließen zu können, muss Maria (Lisa Maria Potthoff) den altersschwachen Polizeiwagen über holperige Feldwege hetzen - ebenso wie ihr Latin-Lover Rocco (Serkan Kaya) seine fesche italienische Vespa. Sich heimlich und hochromantisch im blühenden Sonnenblumenfeld treffen: Keine ganz einfache Liebesbeziehung, steckt die hochschwangere, taffe junge Frau doch in einer grün-braunen bayerischen Gesetzeshüter-Uniform. Zu alledem ist Roccos Familie zumindest latent verdächtig: Hinter den Kulissen der Osteria seines Vaters (Tommaso Ragno) gehen verbotene Dinge vor sich. "Maria Mafiosi", der erste Kinofilm von Jule Ronstedt als Drehbuchautorin und Regisseurin, spielt amüsant, aber auch etwas bemüht mit Gangster- und Amigo-Klischees.

Der dicke Babybauch über dem schlampig geknöpften Uniform-Hemd ist natürlich ein Signal an alle Romantic-Comedy-Freunde, dass dieser Film spätestens mit dem Kinderglück eine Wohlfühl-Wende nimmt. Bis das erreicht ist, muss Maria, die Tochter des örtlichen Polizeichefs (Alexander Held), in der weißblauen Bilderbuch-Kleinstadt Landsberg am Lech, noch viel schwitzen. Und sich ärgern. Vielleicht sogar ein wenig fürchten. Tatsächlich geschehen im Restaurant des leicht als lokalen Mafia-Paten zu durchschauenden Silvio nicht nur kriminelle, sondern auch brutale Dinge.

Als Außenposten italienischer Mafia-Clans betreibt der Familienvater hinter der bürgerlich-jovialen Fassade einen schwunghaften Drogenhandel - und investiert viel Geld vor Ort. Genauer gesagt: Er "wäscht" das schmutzige Geld. Silvio plant einen monströsen Hotel-Neubau samt mehrstöckiger Tiefgarage. Die nötigen Genehmigungen dafür drückt der Bürgermeister (Star-Kabarettist Sigi Zimmerschied) im Gemeinderat durch. Natürlich wird er ebenso geschmiert wie Marias eigener Vater, der bei Ermittlungen gerne mal beide Augen zudrückt.

Keine sehr angenehme Konstellation für das sich anbahnende Babyglück. Auch weil Rocco zwar viel Charme, schöne lange Schmalzlocken und feurige Augen besitzt, aber viel zu wenig Rückgrat: Er traut sich einfach nicht, seinem Vater und der gestrengen Mama (Antonella Attili) zu gestehen, dass er der Kindsvater ist. So muss Maria Moosandl weiterhin trotzig durch die Gegend schlurfen und um das ungeborene Baby ein Geheimnis machen. Als dann auch noch eine erste Leiche gefunden wird und sich aus dem fernen Sizilien ein furchterregender Mafia-Killer Richtung Freistaat aufmacht, wird es richtig ungemütlich: Nicht nur Maria muss sich entscheiden, wem ihre Loyalität wirklich gehört - und wie sich Recht und Gesetz mit der privaten Leidenschaft verbinden lassen.

Natürlich schwebte Jule Ronstedt, die mit BR-Serien wie "Aus heiterem Himmel" und "Franzi" zum Publikumsliebling wurde, bei ihrer ersten eigenen Regie-Arbeit, für die sie auch selbst das Drehbuch verfasste, keine tiefschürfende Sozialstudie über die Krakenarme der Mafia vor. "Maria Mafiosi" ist weniger "Gomorrha" als vielmehr eine launige, sommerlich beschwingte "Romeo und Julia"-Variante in der bayerischen Provinz. In ihrer Tonlage trifft die Komödie den gelegentlich etwas derben, aber generell nicht verstörenden Humor von Regionalkrimis wie "Winterkartoffelknödel" oder "Schweinskopf al dente".

So richtig originell ist das nicht. Und bei aller sommerlichen Leichtigkeit verspielt das eigentlich bis in Nebenrollen (Monika Gruber, Johannes Silberschneider, Stephan Zinner) bajuwarisch-prominent besetzte Ensemble gelegentlich doch das Wohlwollen des Zuschauers, der sich unaufgeregt unterhalten lassen möchte. Die Kombination aus Witz und Ernst harmonisiert nicht so rund, wie eine leckere Pasta-Sauce abgeschmeckt sein müsste. Überhaupt hat man sich an vielen Italiener-Klischees, die sich in deutschen Komödien gerne selbst zitieren, mit der Wirklichkeit aber wohl nur wenig zu tun haben, irgendwann auch einmal sattgesehen.

Von Rupert Sommer

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