Gewinnt Deutschland heute den Oscar?
Heute Abend werden in Los Angeles die 91. Academy Awards verliehen. Auch Deutschland kann sich Hoffnungen auf einen Oscar machen: "Werk ohne Autor" des Kölners Florian Henckel von Donnersmarck (drehte den Oscar-Gewinner "Das Leben der Anderen") ist als bester fremdsprachiger Film nominiert. Ebenfalls auf der Nominierungsliste steht Caleb Deschanel, der für das Drama hinter der Kamera stand. Wir beantworten alle Fragen zum deutschen Oscar-Kandidaten.

Worum geht's in "Werk ohne Autor"?

"Werk ohne Autor" erzählt vom Leben eines Künstlers, dessen Biografie an die des Ausnahmemalers Gerhard Richter angelehnt ist. Dramatischer Aufhänger des Films ist eine bemerkenswerte Episode aus Richters Leben: Richters Tante wurde von den Nazis als geisteskrank klassifiziert und vergast. Das Todesurteil unterschrieb der Vater von Richters späterer Ehefrau. Der Künstler wusste von der Verquickung der Schicksale nichts. Richter, der im Film Kurt Barnert heißt, wird von Tom Schilling gespielt; in weiteren Rollen sind unter anderem Sebastian Koch und Paula Beer zu sehen.

Warum ist der Film so umstritten?

In einem Beitrag des Magazins "New Yorker" distanzierte sich Gerhard Richter vor wenigen Wochen deutlich von "Werk ohne Autor". Florian Henckel von Donnersmarck habe seine "Biografie missbraucht und extrem verzerrt". Er habe den Regisseur gebeten, ihn nicht mit dem Film in Verbindung zu bringen. "Aber in Wahrheit", so Richter, "hat er alles dafür getan, dass mein Name in Zusammenhang mit seinem Film gebracht wird, und die Presse hat ihm dabei nach besten Möglichkeiten geholfen. Zum Glück haben die wichtigsten Zeitungen hier sein Machwerk sehr skeptisch und kritisch besprochen."

War der Film ein Erfolg in Deutschland?

Nein. In Deutschland konnte "Werk ohne Autor" nur rund 220.00 Zuschauer in die Kinos locken. Zum Vergleich: Das Biopic "Der Junge muss an die frische Luft" - der erfolgreichste Film, der 2018 startete - wollten hierzulande schon mehr als drei Millionen Menschen sehen.

Was sagen die Kritiker?

Die deutsche Kritik zeigte sich gespalten. Die "Welt" bezeichnete "Werk ohne Autor" als "ein bildungsbürgerliches Meisterwerk", die "Berliner Zeitung" schrieb, der Film sei "ein gewagter, ein großer Wurf, eines Gerhard Richters würdig". Für die "Süddeutsche Zeitung" verwendete Regisseur Henckel von Donnersmarck allerdings "ziemlich fragwürdige Stilmittel"; sein Film sei "Vereinfachungskitsch". "Spiegel Online" schreibt, der Film habe "keine Grundlage und keine Überzeugung, er hat nur einen Fixpunkt: Größe". Die US-Kritik hingegen schrieb fast ausnahmslos begeistert über "Werk ohne Autor".

Wie stark ist die Konkurrenz?

Sehr stark. Als Favorit für den Auslands-Oscar geht das in Schwarzweiß gehaltene Drama "Roma" des Mexikaners Alfonso Cuarón ("Gravity") ins Rennen. Der Film kann sich allerdings auch berechtigte Hoffnungen machen, als bester Film ausgezeichnet zu werden - dann wäre ein zweiter Oscar als bester fremdsprachiger Film unwahrscheinlich. Bei den Golden Globes wurde "Roma" bereits als bester fremdsprachiger Film und für die beste Regie ausgezeichnet.

Das polnische Drama "Cold War - Der Breitengrad der Liebe" steht bei den Buchmachern ebenfalls hoch im Kurs - der Film ist außerdem für die beste Kamera und die beste Regie nominiert. Dem japanischen Beitrag "Shoplifters - Familienbande" sowie dem libanesischen Film "Capernaum" werden weniger große Chancen eingeräumt.

Wo kann ich die Oscar-Verleihung verfolgen?

In der Nacht von Sonntag, 24. Februar, auf Montag, 25. Februar, sendet ProSieben ab 23.55 Uhr live vom roten Teppich in Los Angeles, die Oscars werden direkt im Anschluss ab 2.00 Uhr ebenfalls live übertragen.

Von Sven Hauberg

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