Maria Mafiosi
Filmbewertung: akzeptabel
Starttermin: 15.06.2017
Regisseur: Jule Ronstedt
Schauspieler: Lisa Maria Potthoff, Serkan Kaya, Antonella Attili
Entstehungszeitraum: 2016
Land: D
Freigabealter: 12
Verleih: Universum
Laufzeit: 93 Min.
Jule Ronstedt
hat mit "Maria Mafiosi" ihren ersten Kinofilm als Autorin und Regisseurin gedreht
"Die Bayern sind für mich manchmal immer noch sehr exotisch"
Mit ihrem frischen, gerne auch mal frechen Charme und ihrem ansteckenden Lachen schätzt man Jule Ronstedt, die schon 1994 mit der ARD-Familiensere "Aus heiterem Himmel" deutschlandweit bekannt wurde, sehr. Dass die langjährige "Franzi"-Darstellerin aus der gleichnamigen, augenzwinkernd humorvollen BR-Heimatserie auch eine ambitionierte Regisseurin ist, wussten bislang nur die wenigsten. Nun hat sie mit der weißblauen Krimikomödie "Maria Mafiosi", die am Donnerstag, 15. Juni, in die Kinos kommt, ihren Debütfilm fertiggestellt - und sich damit endlich eine Frage beantwortet, die die heute 46-Jährige schon seit ihrem Abitur bewegte: Regie oder Schauspielerei? "Ich wollte beides machen und habe daher auch immer beide Wege verfolgt", sagt sie nun. "Die Frage war eigentlich nur: Was klappt zuerst?"

Dass es für viele Zuschauer eine Überraschung sein könnte, Jule Ronstedt hinter und nicht vor der Kamera zu wissen, ist der Münchnerin völlig klar. Für sie selbst war der Schritt hingegen "eine logische Entwicklung": "Ich habe immer schon geschrieben und Regie geführt, das ist Teil meines Berufs", erzählt Jule Ronstedt. Bislang wirkte sie in der Regie-Rolle allerdings hauptsächlich auf der Theaterbühne, unter anderem an der Münchner Schauburg und an den Kammerspielen.

Nun also "Maria Mafiosi", eine Geschichte, an der die "Wer früher stirbt ist länger tot"-Darstellerin schrieb, wann immer sie neben ihren laufenden eigenen Schauspiel-Engagements Zeit fand. Die Anregung für den Stoff, der von der Geldwäsche eines Restaurant-Besitzers und einer ungewöhnlichen Romeo-und Julia-Liebe einer taffen Dorfpolizistin (Lisa Maria Potthoff) und dem charmanten, rechtschaffenen Mafia-Sohn Rocco (Serkan Kaya) erzählt, kam aus eigener Anschauung. Ronstedt beobachtete schon länger ein Lokal in ihrer Nachbarschaft, vor dem nachts Männer in dunklen Nadelstreifenanzügen merkwürdige Pakete aus einem Auto ein- und ausluden. Die rege Geschäftstätigkeit im Dunklen passte so gar nicht zur Friedhofsruhe, die tagsüber in der Kneipe herrschte. "Es gibt Lokale, bei denen wundert man sich schon, dass sie überleben, weil ja nie jemand drinsitzt", sagt Ronstedt.

Ein florierender Drogenhandel und perfide eingefädelte Geldwäsche spielt sich nun in dem Restaurant ab, das sie sich für ihren Film ausgedacht hat. Allerdings mit der gebotenen Liebenswürdigkeit einer Typenkomödie: "Es ist ein augenzwinkernder Culture Clash, der unsere Bayern auf Italiener treffen lässt", beschreibt Jule Ronstedt ihren Ansatz. Im Kern ist ihr das Thema Verfilzung - sowohl bei den italienischen Gästen als auch bei den korrupten lokalen Polit-Granden - aber sehr ernst. "Geldwäsche findet überall statt." Man muss ja nur mal an die vielen bayerischen Amigo-Affären denken.

Der Antrieb fürs Schreiben war anfänglich in eigener Sache interessengeleitet. "Ich wollte schon immer ein Drehbuch für eine starke Frau schreiben - durchaus mit dem Hintergrund, dass ich sie dann selber spiele." Am Ende trat die Vielbeschäftigte die Hauptrolle jedoch an Lisa Maria Potthoff ab - und ist höchst zufrieden: "Lisa ist eine starke, coole Frau. Aber auch sehr weiblich. Das ist eine ganz tolle Kombination, sie passt perfekt zur Rolle", sagt Jule Ronstedt nun.

Tatsächlich schleppt sich Maria Moosandl, die von Potthoff gespielte Polizistin, mit offenem Uniformhemd und einem mächtigen Baby-Bauch sehr wacker durch die verwickelte Handlung. Dass die Darstellerin eine werdende Mutter spielt, gefällt der Regisseurin, die selbst eine Tochter hat, sehr gut. "Ich bin lange mit dem Stoff schwanger gegangen. Jetzt kommt das Baby zu Welt", sagt sie über den Entstehungsprozess ihres Films, der sie an ihre eigenen Erfahrungen erinnert. "Ich muss lernen, loslassen zu können."

Obwohl sie stets zurückhaltend und bescheiden bleibt, weiß Jule Ronstedt, dass ihre Stärken als Regisseurin vor allem bei ihrer lobenswerten Darstellerführung liegen - die sicher mit ihrem umfassenden Blick auf "beide Seiten" zu tun hat: "Ich denke, die Schauspieler haben gerne mit mir gearbeitet. Ich spreche ja die gleiche Sprache und weiß, wie man dahinkommt, wo ich sie haben möchte", sagt sie. Trotzdem war die Regie-Rolle für sie oft auch ungewohnt. Voller Arroganz und überbordendem Gestaltungswillen wollte sie jedenfalls keinesfalls ans Set stürmen. "Ich habe nie so getan, als wüsste ich alles", sagt sie.

Auch in der Aufgabenteilung ging sie - geschult durch eigene Dreh-Erfahrungen, wo vieles oft anders lief - kollegial vor. "Mein Mann ist Lichtsetzer und gelernter Fotograf. Durch ihn hat sich auch mein Sinn für das Visuelle stärker ausgeprägt", sagt Jule Ronstedt. Trotzdem verließ sie sich stark auf das "Auge" von Kameramann Peter von Haller. "Es gab eine klare Aufteilung. In dieser Hinsicht kenne ich ganz andere Regisseure. Ich habe Peter sehr vertraut", erzählt sie vom Dreh. "Der Kern meiner Arbeit am Set war für mich die Arbeit mit den Schauspielern."

Inhaltlich bot ihr "Mafia Mafiosi" auch die Chance, sich noch einmal mit ihrem eigenen Heimat-Empfinden auseinanderzusetzen. Obwohl Ronstedt in München zur Welt kam und am oberbayerischen Ammersee aufwuchs, war ihre Kindheit doch auch durch die gelegentliche Klischee-Distanz ihrer Eltern geprägt, die aus dem Norden Deutschlands stammen. Deshalb kann die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin angemessen krititsch-frotzelnd auf ihre Mitbürger im Freistaat blicken. "Die Bayern lieben die Italiener, das Essen, den Wein - vielleicht schauen sie deswegen oft nicht ganz so genau hin. Sie fühlen sich Italien nahe. Der Gardasee gehört ja quasi zu uns", scherzt sie.

Sie selbst kehrt immer wieder gern nach Bayern zurück. "Ich merke stark, wenn ich länger weg bin, wie gerne ich nach Hause komme", so Ronstedt - trotz gelegentlichen Fremdelns. "Die Bayern sind für mich manchmal immer noch sehr exotisch", sagt sie. "Ich empfinde ein Messer, das in einer Schweinshaxe steckt, immer noch als sehr seltsam. Da ist mir das Pad Thai um einiges näher." Doch man kommt sich näher, immerhin spricht Ronstedt ja auch in vielen Rollen fließend Dialekt. "Gelegentlich muss ich über den Humor, die Bodenständigkeit und die Sprache der Bayern immer noch lachen. Obwohl ich selber einer bin." Generell hat ihre Familiengeschichte viel geholfen, wie sie sagt. "Ich kann mit einem gewissen Abstand auf meine Heimat blicken. Für das Geschichtenschreiben ist das nicht schlecht."

Deswegen war allerdings auch klar, dass sie "Maria Mafiosi" in einer weißblauen Bilderbuchlandschaft und nicht etwa in der norddeutschen Provinz ansiedeln wollte. "Mich interessiert das Geschichtenerzählen. Man muss sie dort erzählen, wo man sich auskennt", lautet ihre Devise. Eine Richtungsentscheidung für künftige Projekte soll das aber nicht sein: "Ich werde sicher nicht die neue Heimatfilmerin." Und auch das Berufsbild soll sich für Jule Ronstedt nicht komplett wandeln. Immerhin kehrte sie rechtzeitig zur Filmpremiere wieder von Dreharbeiten aus Dublin zurück - vor der Kamera wohlgemerkt. "Ich bleibe Schauspielerin - das ist mir sehr wichtig."

Von Rupert Sommer

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