Johnny English - Man lebt nur dreimal
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 18.10.2018
Regisseur: David Kerr
Schauspieler: Rowan Atkinson, Ben Miller, Olga Kurylenko
Entstehungszeitraum: 2018
Land: GB
Freigabealter: 6
Verleih: Universal Pictures
Laufzeit: 89 Min.
Rowan Atkinson
Rowan Atkinson übernimmt zum dritten Mal die Rolle des Geheimagenten "Johnny English" (Start: 18.10.)
'Mr. Bean' sieht klar
Fast während der gesamten Zeit der Zusammenkunft mit der Presse im edlen Hamburger Hotel Fontenay in Alsternähe stützt Rowan Atkinson das Kinn auf die Hand. Trotzdem spricht der 63-Jährige sehr deutlich, sehr artikuliert - und sehr konzentriert. Schüchtern sei er eigentlich, ja leicht einzuschüchtern, meint der britische Star-Komiker über sich - und eben "introspektiv". Das ist unverkennbar. Ob 'Mr. Bean' oder 'Johnny English' - beide Herren, in deren Haut Atkinson im Kino respektive auf der Mattscheibe geschlüpft ist, wissen meist nicht, was sie tun, und pflegen bei ihren größten Triumphen plötzlich im Absurden zu versinken. Dass Atkinson selbst so etwas passieren könnte, ist unwahrscheinlich, so analytisch, selbstkritisch und realistisch spricht er anlässlich seines nunmehr dritten Auftritts als "Johnny English" auch über den Stress, den dieser Film wieder für ihn bedeutet hat. Wenn Schauspielkunst sich nach dem Abstand zur Rolle bemisst, liegt Atkinson qualitativ weit vorn.

In Natura ist der 1955 geborene studierte Elektroingenieur schon etwas grauer, als wenn er sich als Trottel im Geheimdienst Ihrer Majestät mit den großen Bösewichten schlägt. Auf seine Aussage angesprochen, er wolle 'Mr. Bean' nicht alt sehen und ihn deshalb nicht mehr spielen, folgt ein kleines Dementi. Natürlich dürfe 'Mr. Bean' alt werden. "Schließlich habe ich auch nichts dagegen, dass ich alt werde", setzt er amüsiert hinzu. Aber sympathisch findet er weder "Mr. Bean" noch "Johnny English". Auf eine Szene des neuen Films verweisend, erläutert Atkinson: "Wie Johnny English mit seinem Mitarbeiter so in einem französischen Café sitzt und der ihm von seiner Frau erzählt, merkt man: So etwas interessiert Johnny English gar nicht. Er ist selbstsüchtig, will Frauen und Autos, teure Anzüge tragen und in Südfrankreich in der Sonne liegen." Sein Mr. Bean sei genauso.

Doch wie er die beiden spielt, fasziniert Millionen. Im Zuge der Vorbereitungen für den neuen Film haben Atkinson und seine Crew herausgefunden, dass vor allem die vier- bis 14-Jährigen die 'Johnny English'-Filme schauen - "wenn sie zwölf sind, bis zu elfmal in der Woche". Auch die Eltern der begeisterten Kinder dürften zu seinen Fans zählen. Kritisch hingegen ist die Gruppe der 19- bis 28-Jährigen: "Denen ist das nicht zynisch genug, was ich mache, die wollen etwas Raueres, Härteres", was aus seinem Munde weniger wie ein moralisches Urteil klingt als wie eine lebensnahe Einschätzung unterschiedlicher Phasen des Erwachsenwerdens.

Ob "Johnny English" bei Kindern so gut ankomme, weil es in den Streifen eben nicht obszön zuginge wie in vielen anderen Komödien von heute? "Das kann sein, auch wenn wir das bewusst nicht so angelegt haben", räumt Atkinson ein. Aber Gags der alten Schule, für die steht er ganz bestimmt. Überhaupt spielen alte und neue Zeit eine wichtige Rolle im neuen Film "Johnny English - Man lebt nur dreimal". Schließlich versucht der Aushilfsagent, mit analogen Mitteln einen Internet-Tycoon mit Weltherrscherambitionen auszuschalten. "Ich lebe ganz gut und möglichst vernünftig zwischen den Polen analoger und digitaler Welt", resümiert der Star und bemerkt süffisant: "Übrigens kenne ich nur 19-Jährige, die Vinyl hören." Wirklich Sorge bereitet ihm, dass im Internetzeitalter die Empfindlichkeit in Sachen Kommunikation so sehr gewachsen ist: "Ein Scherz, den man vor 25 Jahren gemacht hat, trifft einen plötzlich ins Gesicht." Er selbst lässt aber die Finger von den sozialen Medien - um sich "nicht zu stressen".

Den nach eigenem Bekunden größten Stressfaktor seines Lebens wird Atkinson aber wohl nicht eliminieren, und das ist das Filmen selbst. Alles andere sei prima - das Schreiben, der Schnitt, die Postproduktion. Aber vor der Kamera zu stehen, davor hat er ein Gräuel. "Immer, wenn ich da stehe, finde ich, dass ich besser sein, witziger sein könnte. Es ist, als ob man die Hand nach etwas ausstreckt, was man nie wirklich bekommt." Im Nachhinein ist er mit "Johnny English - Man lebt nur dreimal" durchaus zufrieden: "Der Film ist erst am 10. August fertig geworden. Als wir ihn erstmals ganz gesehen haben, habe ich gemerkt, wie ich gelächelt habe. Er funktioniert, und das ist schon viel wert. Ich glaube sogar, dass er besser ist als die anderen 'Johnny English'-Streifen, mit mehr Energie und konsistenter".

Aber die Dreharbeiten? Trotz des schönen Südfrankreich "ein einziger Stress" ohne Erholung. Auch die körperliche Belastung sei nicht zu unterschätzen - "besonders in der Tanzszene", ergänzt er scherzhaft. Etwas - aber nur etwas - ernster spricht er das Risiko von Verletzungen bei den Actionszenen an. Beim vorherigen "Johnny English" hat er sich einen Muskel gerissen. "Es war aber keine so große Angelegenheit wie der Knöchel von Tom Cruise." Spaß gemacht haben ihm die Verfolgungsjagden in den Bergen, insbesondere mit dem Aston Martin: "Er ist der beste Beweis, wie schön alte Sachen sein können."

Wo vom Aston Martin die Rede ist, ist die Frage nach 'James Bond' natürlich nicht weit. Das gibt Atkinson Gelegenheit zu einem Rundumschlag, der vom Mythos des Superagenten so gut wie nichts übrig lässt und auch in ein Seminar über die Verblendungen der Kulturindustrie gepasst hätte. "Das ist eine Figur, die für Romane der 1950er-Jahre konzipiert worden ist", erinnert er, "angefüllt mit der Stimmung nach dem Zweiten Weltkrieg und des Kalten Krieges". Aber nicht einmal in der Zeit hätte der Stoff wohl auch nur annähernd etwas mit der Realität des Spionierens zu tun gehabt. "Wir lieben natürlich James Bond trotzdem - weil es reine Fantasie und Spaß ist." Über die Jahrzehnte sei nun Konzept aber deutlich überdehnt worden. Passt "James Bond" überhaupt ins 21. Jahrhundert?

Atkinson hat da seine Zweifel und sieht vor allem kommerzielle Motive. Wer James Bond spielt, ob Mann oder Frau, Schwarz oder Weiß, hält er für ganz irrelevant. "Wichtig ist nur, die Rechte an den beiden Wörtern 'James' und 'Bond' zu besitzen - und damit das Franchise." So ganz unberührt lässt ihn das Thema aber nicht. Wie könnte es auch, spielt er doch im neuen "Johnny English" mit dem ehemaligen Bond-Girl Olga Kurylenko zusammen. So sieht er sich denn auch unversehens mit der Frage konfrontiert, ob er nicht selbst vielleicht James Bond spielen wolle. "Faszinierende Idee", murmelt Rowan Atkinson, liefert dann aber eine Antwort ganz auf seine Weise, mit einer Vision, die eher "Mit Schirm, Charme und Melone" nahe kommt: "James Bond, Jane Bond, Jason Bourne und - Johnny English sollten sich verbünden, um einen ultimativen Superverbrecher zur Strecke zu bringen!"

Von Andreas Günther

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