"Alita: Battle Angel"
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 14.02.2019
Regisseur: Robert Rodriguez
Schauspieler: Rosa Salazar, Christoph Waltz, Jennifer Connelly
Entstehungszeitraum: 2018
Land: USA / ARG / CAN
Freigabealter: 12
Verleih: 20th Century Fox of Germany
Laufzeit: 122 Min.
Christoph Waltz im Interview
Christoph Waltz im Interview
"'Siri' nutze ich oftmals zum Fluchen"
Auch wenn es für Christoph Waltz bereits ein Leben vor der Hollywood-Karriere gab: Richtig berühmt wurde der 62-jährige Ausnahmeschauspieler erst durch Quentin Tarantino. Das Enfant terrible der Traumfabrik besetzte Waltz in "Inglourious Basterds" (2009) und in "Django: Unchained" (2012). Prompt wurde Waltz gleich zweimal als bester Nebendarsteller mit dem Oscar und dem Golden Globe geadelt - die Kritiker und die Zuschauer schätzen ihn gleichermaßen für seine nuancierten und wortgewandten Darbietungen. Und auch wenn der deutsch-österreichische Charaktermime im Anschluss oftmals Antagonisten verkörperte: Waltz lässt sich nicht auf einen bestimmten Rollentypus festnageln. In der Manga-Adaption "Alita: Battle Angel" (Kinostart: Donnerstag, 14. Februar), einem postapokalyptischen Science-Fiction-Blockbuster von Tarantino-Freund Robert Rodriguez, spielt er den Wissenschaftler Dr. Ido, der für die Cyborg-Heldin zur väterlichen Figur wird. Im Interview spricht Waltz über vermenschlichte Technologie, die Kraft der Sprache - und er verrät, warum er "Siri" manchmal mit Flüchen eindeckt.

teleschau: Herr Waltz, die technischen Fertigkeiten, die Dr. Ido für seinen Beruf mitbringt, sind faszinierend. Sind Sie privat auch jemand, der gern an alten Dingen herumschraubt?

Christoph Waltz: Nein, leider nicht. Das wäre natürlich schön, wenn ich so ein Bilderbuchgroßvater wäre, der in seiner Scheune alles reparieren kann. Aber ich bin schon sehr daran interessiert, wie die Dinge funktionieren. Allerdings erschließt sich mir das Elektronische beziehungsweise Digitale nicht so einfach.

teleschau: Ihnen gefällt also die Präzision der Dinge, ohne dass Sie sie genau verstehen?

Waltz: Genau. Das ist möglicherweise eine ganz gute Analogie: Das Digitale erschließt sich den meisten Menschen nicht, während das Mechanische für viele durchaus leichter nachvollziehbar ist. Es geht dabei um Miterlebbarkeit. In der digitalen Welt kriegen sie ja oft nur noch ein Ergebnis präsentiert, ohne zu wissen, wie der Weg dorthin verlaufen ist. Und das ist die Definition von Langeweile.

teleschau: Ihnen ist ja die digitale Welt im Film gut bekannt, spätestens durch Ihre Zusammenarbeit mit Terry Gilliam für "The Zero Theorem". Sehen Sie diese Entwicklung skeptisch?

Waltz: Ich denke nicht, dass man die Filmwelt als digitale Welt sehen sollte oder könnte. Das ist mit dem, was ich als Schauspieler tue - denn ich bin selbst ja nicht digital -, nur schwer in Einklang zu bringen. Mir steht ja nur das Analoge - also ich selbst als Mensch - zur Verfügung. Dass das dann, via Aufnahme- und Bearbeitungstechnik, in ein digitales Medium übertragen wird, hat schlussendlich mit meiner Arbeit gar nichts zu tun.

teleschau: Denken Sie denn, dass durch die immer größer werdende Digitalisierung unserer Welt, das genuin Menschliche noch mehr in den Vordergrund treten muss?

Waltz: Den Gedanken möchte ich sehr energisch unterstützen. Deswegen funktioniert Science-Fiction ja auch so gut, um unsere Welt zu beschreiben.

teleschau: Wie meinen Sie das?

Waltz: Science-Fiction tut oft so, als wäre sie Zukunft, aber eigentlich geht es vor allem darum, unsere aktuellen Ängste zu kondensieren. Mit ihr werden unsere Befürchtungen fassbar. Vielleicht geht es aber auch um Hoffnung, weil sich die meisten Geschichten sehr weit in der Zukunft abspielen. Das heißt, wir könnten also noch etwas dagegen tun. Das ist ja in der Vergangenheit nicht mehr möglich. Dadurch haben historische Filme eine andere Faszination, da die Perspektive eine ganz andere ist.

"Film ist eine Konstruktion von Realität"

teleschau: Gefühle für eine Maschine zu entwickeln, also die tiefe Emotionalität für etwas Künstliches, erlebt man ja auch heute schon manchmal.

Waltz: Das muss ja überhaupt kein Roboter sein. Ich habe beispielsweise einen wunderbaren Menschen, der meine Computer und meine ganze Digitalwelt managt. Er spricht mit seinem Computer wie mit einem Menschen, hat ihm sogar ein Geschlecht zugeordnet und nimmt ihn bisweilen als Gegner wahr. Diese Anthropomorphisierung betreiben wir schon zu einem erschreckenden Grad alle.

teleschau: Kommen wir noch einmal zurück zum Punkt Präzision. Sie sind ja sehr wortgewandt ...

Waltz: Vielen Dank.

teleschau: Wie wichtig ist Ihnen Sprache in einem Film?

Waltz: Sprache ist immer wichtig. Denn Sprache konstruiert unsere Realität. Film ist ja auch eine Konstruktion von Realität, denn er ist ja kein Abbild, sondern ein realer Vorgang, der als Projektion auf einer Fläche funktioniert. Dadurch, dass Sie den Film gucken, wird er für diesen Moment für Sie zur Realität. Sprache macht das ganz genauso, allerdings auf einer anderen Ebene. Das bedeutet auch, dass Tonfilm eine wirkliche Errungenschaft war.

teleschau: Inwiefern?

Waltz: Weil die sprachliche Ebene an der Konstruktion einer Realität teilnimmt und somit eine weitere Ebene zum Bewegtbild hinzugekommen ist.

"'Siri' nutze ich oftmals zum Fluchen"

teleschau: Denken Sie denn, dass Performance Capture die nächste große Errungenschaft für den Film ist?

Waltz: Ich denke nicht, dass es sich dabei um so einen großen Sprung wie beim Übergang vom Stumm- zum Tonfilm handelt. Das Wichtige bei Performance Capture ist ja die Performance des Schauspielers. Es ist also immer noch eine analoge Kreatur, hier eben Rosa Salazar, die hinter dieser Figur steckt.

teleschau: "Alita: Battle Angel" macht ja auch vieles sichtbar, was wir uns momentan in Bezug auf Cyborgs und Künstliche Intelligenz nur vorstellen können. Wie sehen Sie die Entwicklung in der vergangenen Zeit in Bezug auf die Fortschritte in diesen Bereichen?

Waltz: Das ist ja alles nicht komplett neu. Technologisch gesehen beschäftigen wir uns ja schon seit ungefähr 50 Jahren mit diesen Themen. Ich kann mich an die erste Herztransplantation erinnern. Damals hat man auch gesagt: "Kannst du dir das vorstellen? Christiaan Barnard nimmt das Herz aus einem Menschen heraus und verpflanzt es in einen anderen." Das war 1967 eine totale Sensation und für viele noch absolute Science-Fiction. So viel anders ist das heute auch nicht.

teleschau: Sprechen Sie zu Hause denn mit "Siri" oder "Alexa"?

Waltz: Selten. "Siri" nutze ich oftmals zum Fluchen.

teleschau: Was sagt "Siri" dann?

Waltz: Sie tut dann so, als würde sie die Wörter nicht kennen oder findet meinen Ausbruch unangemessen. Was mich dann natürlich noch zu viel wilderen Ausbrüchen hinreißen lässt. Dann drehe ich ihr einfach den Saft ab. Aber Sie sehen, ich bezeichne "Siri" auch schon als "sie". Ich gestehe ihr also auch eine Art reale Existenz zu.

Von Sarah Schindler

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