"Aladdin"-Star Mena Massoud im Interview
"Aladdin"-Star Mena Massoud im Interview
"Es gibt nicht viele Hollywood-Rollen für Menschen wie mich"
Viel zu lernen hat Mena Massoud auf den ersten Blick nicht mehr. Nicht nur springt und tanzt und singt sich der 27-Jährige auf fantastische Weise durch Disneys neue Realfilmumsetzung des Klassikers "Aladdin" (Start: 23. Mai) - wohlgemerkt als Hauptfigur. Auch scheint der in Kairo geborene und in Kanada aufgewachsene Sohn koptischer Christen das Hollywood-Spiel bereits vollends verstanden zu haben. Anders ist kaum zu erklären, wie er bei der Berliner Pressetour zum neuen Blockbuster lässig zwischen Understatement, Witz und Ernsthaftigkeit changiert, wie er sich natürlich zwischen Größen wie Regisseur Guy Ritchie und seinem Filmkollegen Will Smith bewegt. Und doch, man merkt Massoud im Interview die fast noch kindliche Begeisterung für die beiden Stars an, ebenso wie den Respekt vor dem Riesen namens Filmgeschäft.

teleschau: "Aladdin" ist Ihr bislang größter Film. Müssen Sie sich an den Öffentlichkeits-Trubel und die Pressereisen noch gewöhnen?

Mena Massoud: Es ist immer noch alles sehr aufregend! Ich bin in meinem Leben bislang nicht viel gereist - die Welt auf diese Weise zu sehen, ist sehr außergewöhnlich. Für mich ist das neu - verglichen damit, was ich dafür getan habe. Nach dem Theaterstudium habe ich etwa drei Jahre lang in einem Restaurant gejobbt, um den Umzug nach Los Angeles zu finanzieren.

teleschau: Ist Los Angeles noch immer der Place to Be für Schauspieler?

Massoud: Für einen Newcomer und jungen Schauspieler definitiv. Ich habe vorher in Toronto gelebt, einer Stadt, von der Leute ebenfalls denken, sie sei für Schauspieler sehr geeignet. Wenn du es aber ganz nach oben schaffen willst, musst du nach L.A. Zumindest für eine Weile. Wenn du George Clooney bist, kannst du natürlich überall leben (lacht).

teleschau: Gab es für Sie auf dem Weg nach oben Menschen, die Ihnen Ratschläge gegeben haben?

Massoud: Eigentlich gab es nur mich und meine Freunde. Manche davon, mit denen ich auf die Schauspielschule gegangen bin, erleben ebenfalls gerade große Veränderungen. Da lernt man voneinander. Wie man die nötigen Visa für die USA bekommt, zum Beispiel.

teleschau: Wie schaut es mit erfahrenen Stars wie Will Smith aus, mit dem Sie nun in "Aladdin" gemeinsam zu sehen sind - gab der Ihnen auch Tipps?

Massoud: Ja, definitiv. Als ich ein Kind war, saß ich mit meinen Freunden immer um die Weihnachts- und Osterzeit zusammen - dann haben wir einen Will-Smith-Film eingelegt und "Bad Boys" oder "Men in Black" geschaut. Als ich ihn dann traf, enttäuschte er die Erwartungen nicht. Er nimmt sich viel Zeit für einen und gibt zahlreiche Ratschläge. Er hat all meine Fragen beantwortet und mich und Naomi Scott beiseite genommen, um mit uns über die anstehende Pressetour zu sprechen. Darüber, was wir von so einer großen und ermüdenden Reise erwarten können.

teleschau: Ist er ein Vorbild für Sie?

Massoud: In vielen Punkten definitiv! Er ist einzigartig und vielfältig - das ist schwer! Als Schauspieler kann man viel lernen von ihm und seinen großen Rollen. Bei "Aladdin" habe ich etwa die Verantwortung kennengelernt, die man als Hauptdarsteller eines großen Films besitzt.

"Mit dem Erfolg kommen Opfer"

teleschau: Wie gehen Sie mit dem Stress um, der damit einhergeht?

Massoud: Vor allem gehe ich ins Fitnessstudio, um zu trainieren. Gestern war ich beispielsweise nicht beim Training - und spüre das schon. Ansonsten stürze ich mich in die Arbeit, immer mit dem Gedanken, der mich entspannt: dass ich so hart gearbeitet habe, wie es ging. Wenn Leute dann den Film schauen und meine Performance nicht mögen - dann gibt es nichts, was ich mehr hätte tun können. Darin steckt ein gewisser Trost.

teleschau: Gab es infolge der "Aladdin"-Hauptrolle schon vermehrt Anfragen für weitere große Projekte?

Massoud: Bislang leider nicht. Alle sagen mir immer, dass mein Leben sich mit diesem Film ändern wird. Ich bin sicher, dass das auch passieren wird. Aber vorhersehen kann man es nicht - und bisher bekomme ich davon nichts mit. Einige Dinge, von denen ich dachte, dass sie bis jetzt passiert sein müssten, sind nicht geschehen.

teleschau: Ist es dennoch auch für Ihre Generation noch ein Traum, in solch großen Hollywood-Produktionen zu spielen - oder überragen auch hier inzwischen die Streaminganbieter?

Massoud: Ich glaube, heutzutage ist es schwieriger denn je, Rollen in solch großen Filmen zu bekommen. Es gibt weniger davon und mehr Streamingproduktionen. Und weil es so schwer ist, ist es sehr erstrebenswert. Aber letztlich weiß man nicht, was durchstarten wird. Eine kleine Netflix-Serie kann dich berühmter machen als jeder Blockbuster.

teleschau: Haben Sie schon über das Berühmtsein und die damit einhergehende Anstrengung nachgedacht?

Massoud: Nein, zumindest nicht vor "Aladdin". Da lag der Stress eher im System der Filmindustrie begründet - also: Wie kann ich von der Schauspielerei leben? Das war immer mein Traum. Aber um mit den Top-Regisseuren und an den tollsten Sets der Welt zu arbeiten, muss man gewisse Dinge opfern. Mit dem Erfolg kommen Opfer, die man bringen muss.

teleschau: Welche Opfer mussten Sie für "Aladdin" bringen?

Massoud: Es ist meine körperlichste Rolle bislang. Ich habe mit einem Personal Trainer gearbeitet und mich an einen strengen Diätplan gehalten. Ich habe Parcours und Boxen gelernt und jeden Tag mit dem Stuntteam geübt. Jetzt bin ich in guter Form - aber während des Drehs war ich in wirklich hervorragender körperlicher Verfassung.

teleschau: Mussten Sie dennoch oft Doubles einsetzen?

Massoud: Ich habe versucht, die meisten Stunts selbst zu drehen. Aus versicherungstechnischen Gründen ließ mich das Studio aber nicht alles machen. Es ging sogar so weit, dass ich Regisseur Guy Ritchie bedrängte, mehr Sachen tun zu dürfen (lacht). Bevor man Stunts wie Tom Cruise selbst ausüben kann, muss man das Vertrauen der Verantwortlichen gewinnen.

"Am Ende ist es ein Geschäft"

teleschau: Was war für Sie der wesentliche Grund, sich auf den Part zu bewerben?

Massoud: Nun, ich kannte "Aladdin" natürlich seit ich ein Kind war. Als ich die Ausschreibung sah, musste ich mich bewerben. Aber dann hörte ich vier Monate nichts und war sehr enttäuscht. Als es dann doch noch losging, ein Vorspielen nach dem anderen, flog ich zweimal nach London, um Guy Ritchie zu treffen - da ging ein Traum in Erfüllung. Aber was "Aladdin" angeht - die Wahrheit ist doch: Es gibt nicht viele Hollywood-Rollen für Menschen, die aussehen wie ich.

teleschau: Haben Sie dahingehend viele schlechte Erfahrungen gemacht?

Massoud: Ich bin jetzt zehn Jahre im Geschäft. Meine erste professionelle Rolle habe ich in der Serie "Nikita" gespielt, dort übernahm ich den Part von "Al-Kaida Nummer 2". Nicht einmal "Nummer 1" (lacht)! Ich denke, die Entwicklung in der Filmindustrie geht in die richtige Richtung. Aber es existieren noch immer zahlreiche ethnische Gruppen, die im Business nicht die verdiente Aufmerksamkeit erhalten. Neben Menschen aus dem Nahen Osten sind das auch Asiaten und Latinos. Ich hoffe, dass "Aladdin" zeigen kann, dass man solche Menschen in einem Film repräsentieren und dennoch Geld damit verdienen kann. Am Ende ist es ein Geschäft: Wenn sie sehen, dass es für diese Art von Geschichten eine Nachfrage gibt, dann wird es mehr davon geben. Und die unterschiedlichen Minderheiten und Kulturen werden profitieren.

teleschau: Wie nehmen arabischstämmige Menschen eigentlich die orientalische Welt in "Aladdin" wahr - beispielsweise Ihre Eltern, die aus Ägypten stammen?

Massoud: Sie lieben "Aladdin". Die Geschichte existierte ja schon lange vor dem Animationsfilm, meine Eltern wuchsen damit auf. Als ich ein Kind war, schauten wir gemeinsam den Disney-Trickfilm - und mein Vater war von Robin Williams' Synchronisation des Dschinni begeistert! Deshalb haben sich meine Eltern auch ungemein für mich gefreut. Außerdem: Der Nahe und Mittlere Osten wurden so lange negativ dargestellt - sie werden mit jeder Form eines positiveren Images zufrieden sein.

Von Maximilian Haase

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