"A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando"
Filmbewertung: ausgezeichnet
Starttermin: 15.08.2019
Regisseur: Josh Cooley
Schauspieler: Michael "Bully" Herbig, Michi Beck, Rick Kavanian
Entstehungszeitraum: 2019
Land: USA
Freigabealter: 0
Verleih: Disney Pixar
Laufzeit: 100 Min.
Michi Beck im Interview
Michi Beck im Interview
"Das war next level shit!"
"A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando" (Kinostart: 15.08.) ist der vierte Teil der erfolgreichen "Toy Story"-Saga. Weil Andy inzwischen erwachsen ist und sein Spielzeug nicht mehr braucht, leben Cowboy Woody und seine Freunde nun bei der kleinen Bonnie. Durch ein Missgeschick werden Woody und Forky, das selbst gebastelte Spielzeug von Bonnie, von den anderen getrennt - und machen sich auf den abenteuerlichen Rückweg, auf dem sie alte wie neue Weggefährten treffen. Dazu gehört auch der Stuntman Duke Caboom, dem in der deutschen Fassung Michi Beck von der Hip-Hop-Gruppe Die Fantastischen Vier seine Stimme leiht. Im Interview verrät der zweifache Familienvater, welche Spielzeuge er als Kind geliebt hat, was ihn an der Synchronsprecherrolle reizte - und warum auch mit 51 Jahren noch ein Kind in ihm steckt.

teleschau: Hatten Sie als Kind ein Lieblingsspielzeug?

Michi Beck: Ich hatte mehrere, aber ein relativ frühes Lieblingsspielzeug waren meine Big-Jim-Figuren. Für alle, denen das nichts sagt: Das war so etwas wie Barbie für Jungs, mit Muskeln. Hinten konnte man draufdrücken, und dann haben die mit einer Hand einen Karateschlag gemacht. Die fand ich ziemlich cool. Aus heutiger Sicht sehr homosexuelle Figuren, in so knappen Höschen, mit Muskeln und behaart.

teleschau: Besitzen Sie die noch?

Beck: Sie sind in einem Verkehrsunfall, den ich mit Spiritus und Feuerzeug etwas forciert habe, verbrannt. Ich hatte da irgendwie so einen Aggro-Anfall, und dann waren sie kaputt. Leider, denn heute sind sie sehr viel Geld wert! Natürlich habe ich zu Hause wahnsinnigen Ärger gekriegt. Es gab dann erst mal nichts anderes - bis "Star Wars" kam und damit auch die Figuren. Mit denen habe ich dann sehr viel gespielt. Die sind aber auch weg. Vielleicht habe ich die irgendwem in der Verwandtschaft geschenkt, ich muss da mal nachfragen ...

teleschau: Das heißt, Sie können die Liebe und Verbundenheit zu einem Spielzeug wie in "Toy Story" sehr gut nachvollziehen?

Beck: Total! Und auch bei meinen Kindern, die ja zu den Digital Natives gehören, ist es so, dass selbst die Große, die jetzt fast zwölf ist, noch ein paar Kuscheltiere hat, die sie von Anfang an begleitet haben - und irgendwie Begleiter bleiben. Ich glaube, das wird auch nicht aufhören. Da kannst du noch so viel digital spielen, wir brauchen als Kinder haptische Begleiter, und die wachsen uns zwangsläufig ans Herz.

"Freundschaft ist heute genauso wichtig wie eh und je"

teleschau: Ist das der Grund, warum "Toy Story" so wahnsinnig erfolgreich ist? Weil wir das alle kennen?

Beck: Ich glaube schon. Als Kinder haben wir uns doch alle vorgestellt, dass unser Spielzeug ein Freund ist, der lebt. Genau das ist es, was "Toy Story" zu so einer tollen Geschichte macht: Der Film spinnt das, was du dir als kleines Kind vorstellst, weiter. Was machen die Figuren, wenn ich nicht da bin? Und in dem neuen Teil, der ja eine Art Coming-Of-Age-Geschichte ist, erleben sie eben eine Art Roadmovie.

teleschau: Wir lernen darin ganz viele neue Charaktere kennen: Forky, Duck & Bunny und der Stuntman Duke Caboom, dem Sie Ihre Stimme leihen - ein Draufgänger mit weichem Kern. Wie sehr finden Sie sich in ihm wieder?

Beck: Naja, auf den ersten Blick sind Stuntman und Rapper ja beide Großmäuler und Poser, die auf dicke Hose machen. Wobei wir dieses Rapklischee mit den Fantas nur zum Teil erfüllen wollten. Uns war immer wichtig, ehrlich zu sein. So, wie wir sind. Das ist so gesehen eine Parallele zu Duke Caboom. Er ist zwar Stuntman und macht gerne auf dicke Hose, aber durch das, was er erlebt hat, hat er auch eine verletzliche Seite. Allerdings hatten wir im Gegensatz zu ihm zum Glück keine Durststrecke, wir wurden nicht verstoßen und mussten nie ein Leben in Verborgenheit fristen (lacht).

teleschau: In dem Film geht es viel um Freundschaft und Loyalität. Etwas, was wir in unserer Welt zunehmend aus den Augen verlieren?

Beck: Ich nicht! Darum geht es in auch meinem Leben schon immer. Um Zusammenhalt und darum, diese eingeschworene Gemeinschaft sein. Zueinanderhalten, auch wenn mal einer ein Jahr lang hängt. Mir ist dazu der Begriff "Troy Story" eingefallen. Ich sehe aber auch bei meinen Töchtern, dass Freundschaft und Zusammenhalt ein wichtiges Element sind. Vielleicht holt man sich das heutzutage anders, am Handy zum Beispiel, aber Freundschaft, Zuneigung und Zusammenhalten sind heute genauso wichtig wie eh und je.

""Raumschiff Enterprise" und später "Star Trek" - das war meine Fantasiewelt"

teleschau: Der erste Teil der "Toy Story" Serie kam 1995 in die Kinos. Haben Sie die Filme eigentlich verfolgt?

Beck: 1995 hatten wir unseren letzten Nummer-Eins-Hit mit "Sie ist weg" (lacht). Wirklich wahr. Ich muss gestehen, dass ich mich nicht mehr wirklich dran erinnern kann, wann ich "Toy Story" das erste Mal gesehen habe - auch wenn das damals ja der erste komplett computeranimierte abendfüllende Film war. Ich fand ihn damals schon amüsant, aber richtig wertvoll wurde er erst später, als ich ihn mit meinen Kids gesehen habe.

teleschau: Welchen Bezug haben Sie generell zu Zeichentrick, Animationsfilmen und dem ganzen Drumherum?

Beck: Es gibt ja diese Manga-Fans oder Leute, die Comics sammeln, Marvel und das ganze Ding. So war ich nie. Ich bin aber großer "Star Wars"-Fan, weil ich genau im richtigen Alter war, als der erste Film kam. Der hat mich total geflasht, und da bin ich drauf hängen geblieben. Überhaupt bin ich Science-Fiction Fan: "Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick oder auch "Raumschiff Enterprise" und später "Star Trek" - das war meine Fantasiewelt. Allgemein berühren mich Filme mit echten Menschen mehr. Aber es gibt immer mal wieder Animationsfilm-Highlights, zumal die ja technisch immer brillanter werden und die Landschaften wahnsinnig realistisch sind. "Toy Story" gehört da auf definitiv dazu. Bei "Alles hört auf kein Kommando" habe ich auf jeden Fall alles gehabt: Lachen und Heulen.

teleschau: Wird man für Animationsfilme nie zu alt?

Beck: Manche Leute vielleicht schon, aber ich glaube, den meisten geht es so, dass sie ihre Fantasie und das Kindliche bei Animationsfilmen viel mehr zulassen. Ich ertappe mich selbst oft dabei, dass ich bei normalen Filmen sage "das ist ja völlig unrealistisch". Bei Animationsfilmen hingegen ist alles machbar, und dadurch lässt man viel mehr zu. Das triggert dann auch ganz viele Kindheitsgefühle. Deswegen ist das so ein spannendes Genre.

"Duke Caboom ist so zwiespältig, das war next level shit!"

teleschau: Sie sind jetzt 51 und leben als Mitglied der Fantastischen Vier doch ein anderes Leben als die meisten Gleichaltrigen. Sind Sie ein vernünftiger Mensch, oder haben Sie eine kindliche Seite in sich?

Beck: Ich trage auf jeden Fall beides in mir. Das Umfeld, in dem ich lebe, ist natürlich ein anderes als bei den meisten 51-Jährigen. Das hält einen in so einem Zwischenstadium, halb erwachsen, halb jugendlich. Wir sind bei den Fantastischen Vier aber sehr bedacht darauf, dass wir nicht in so eine Berufsjugendlichkeit rutschen. Das ist eine Gratwanderung, dass man nachvollziehbar bleibt und nicht zu einem Abziehbild von früher wird. Generell finde ich es aber eigentlich ganz schön, dass es mir vergönnt ist, auf der einen Seite Familienvater und Geschäftsmann zu sein und auf der anderen immer noch auf der Bühne herumzuhüpfen und Animationsfilme zu synchronisieren. Ich muss mich nicht für eine Rolle entscheiden, sondern schwebe so dazwischen.

teleschau: "Madagascar" war 2005 der erste Film, bei dem Sie sich als Synchronsprecher ausprobiert haben, seitdem waren Sie bei allen vier Teilen dabei. Nun auch noch "Toy Story" - was reizt Sie am Synchronsprechen?

Beck: "Madagascar" entstand damals durch einen schönen Zufall oder Schicksalsschlag. Bei den vier Pinguinen, die wie ein eingeschworener Geheimbund sind und von denen einer nichts sagt, haben viele sofort an die Fantas gedacht - also überlegte sich der Verleih, uns mal testsynchronisieren zu lassen. Das hat ganz gut funktioniert. Damals waren Thomas und Smudo immer die, die bei Interviews mehr quatschten als ich, aber trotzdem habe ich die Hauptrolle bekommen. Also irgendwie scheine ich da ein Talent für zu haben. Und es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich glaube, das ist genau das Maß an Schauspielerei, das ich leisten kann und möchte. Ich hätte es mir viel schwieriger vorgestellt, aber technisch fiel es mir, vielleicht auch durchs Rappen, relativ leicht. Allerdings war der Skipper in "Madagascar" eine recht eindimensionale Figur. Duke Caboom ist so zwiespältig, das war next level shit!

teleschau: Nun sind Sie Musiker und Synchronsprecher, haben eine Modekollektion veröffentlicht und saßen in der Jury von "The Voice". Gibt es etwas, das Sie gerne noch mal ausprobieren möchten?

Beck: Ach, das ergibt sich. Wir machen als Band immer neue Sachen und Projekte. Das treibt uns an. Zurzeit arbeiten wir an einem Virtual Reality Projekt zusammen mit dem Fraunhofer Institut und Gebrüder Beetz Filmproduktion. Das sind Dinge, die auf dem Weg entstehen und die man gerne mitnimmt. Aber es gibt kein bestimmtes Ziel, von dem ich sagen würde, das möchte ich noch mal erreichen. Ich bin offen und lasse mich überraschen.

Von Nadine Wenzlick

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