100 Dinge
Filmbewertung: akzeptabel
Starttermin: 06.12.2018
Regisseur: Florian David Fitz
Schauspieler: Matthias Schweighöfer, Florian David Fitz, Miriam Stein
Entstehungszeitraum: 2018
Land: D
Freigabealter: 6
Verleih: Warner Bros.
Laufzeit: 111 Min.
Matthias Schweighöfer
spielt die Hauptrolle in "100 Dinge" (Start: 6.12.)
"Man kann auch mit wenigen Dingen sehr glücklich sein"
Matthias Schweighöfer ist neben Til Schweiger einer der erfolgreichsten Akteure im deutschen Filmgeschäft: Erfolgreich als Schauspieler, erfolgreich als Regisseur, erfolgreich als Produzent. Seine leichtfüßigen Komödien wie "What a Man" (2011) oder "Der Nanny" (2015) sahen Millionen Zuschauer. Aber der 37-Jährige kann auch Suspense, was er in der von ihm produzierten Amazon-Serie "You Are Wanted" (2017 / 2018) unter Beweis gestellt hat. Schweighöfer ist dennoch auf dem Boden geblieben. Zumindest sind beim Interview, als ein sehr blonder, etwas erschöpfter junger Mann in Jeans und Pulli in den Raum kommt, keinerlei Allüren zu spüren. Stattdessen berlinert er herrlich.

teleschau: Der Film "100 Dinge" ist eine Gesellschaftskritik, er thematisiert den Konsumwahnsinn unserer Welt. Warum wollten Sie so einen Film umsetzen?

Matthias Schweighöfer: Flo (Florian David Fitz, Anm. d. Red.) hatte diese finnische Doku "My Stuff" gesehen und das Buch zuerst nur für eine Person geschrieben. Dann merkte er aber, dass er doch noch eine zweite Figur braucht. Doch er wollte keine Liebesgeschichte daraus machen, deswegen wurde es irgendwann ein Typ - und dann kam ich ins Spiel.

teleschau: Hatten Sie sich schon vor dem Film mit Themen wie Konsum und Überfluss auseinandergesetzt?

Schweighöfer: Eigentlich nicht, ich bin aber auch nicht so der Shopper. Ich kaufe wenig ein und gehe auch nicht am Samstag in irgendwelche Malls und mache Kassensturz. Durch die Arbeit am Drehbuch habe ich mich mehr damit beschäftigt. Was hat man eigentlich zu Hause, was hortet man im Laufe der Zeit, kann man sich von Dingen trennen oder nicht? Dadurch, dass ich in meinem Leben oft umgezogen bin, bin ich zum Glück schnell in die Phase gekommen, dass ich mir sagte: Das brauche ich nicht, das haue ich weg. Ich besitze einfach nicht so viel.

teleschau: Macht kaufen glücklich?

Schweighöfer: Ich glaube, losgehen und etwas kaufen, das macht schon glücklich. Das Besitzen ist dann wieder eine andere Sache. Aber das Kaufen an sich, das macht Spaß. Gerade zur Weihnachtszeit! Da geht man raus, hat vor, vielleicht nur eine Packung Zahnpasta zu kaufen und kommt mit lauter Bilderrahmen und Kerzenleuchtern und irgendwelchen coolen Kerzen, die man gesehen hat, zurück, in Mattgrau, geil! Und denkt sich, mattgrau sieht in der Bude sicher cool aus. Das macht schon Spaß.

teleschau: Was wären zehn Dinge, auf die Sie persönlich nicht verzichten könnten?

Schweighöfer: Personen ausgenommen? Bei Personen sind wir schnell bei zehn. Auf meine Kinder könnte ich nicht verzichten, meine Eltern würden auch dazugehören, meine Freunde ... Was die Dinge angeht: Ich könnte nicht auf ein Handy verzichten, weil ich nicht der Laptop-Mensch bin, ich mach das alles am Telefon. Auf mein Auto kann ich nicht verzichten, ich liebe mein Auto! Und auf eine Matratze, ein gutes Bett. Schlaf ist ja wichtig. Und vielleicht einen Ofen.

teleschau: Wäre so ein Selbstversuch im Verzichten auch im echten Leben etwas für Sie?

Schweighöfer: Es würde mich schon mal interessieren, mich ein bisschen mehr zu beschränken. Dass man mal versucht, eine Woche lang das Telefon nicht zu benutzen, mal kein WLAN zu haben ... Aber ich habe zwei Kinder, ich glaube, das wird für alle Beteiligten ein Desaster.

teleschau: Wovon träumt man, wenn man sich fast alles kaufen kann?

Schweighöfer: Ich kann mir ja nicht alles kaufen. Aber was ich mir definitiv nicht kaufen kann, ist Zeit. Das ist schon wichtig, bewusste Zeit.

teleschau: Der Film ist auch die Geschichte einer Freundschaft. Dabei geht es darum, immer besser und cooler zu sein als der andere. Ist das auch im echten Leben so, dass Sie und Florian David Fitz in Konkurrenz stehen?

Schweighöfer: Wir sind nicht so "Kräftemess-Heinis". Ich setze mich mit Flo nicht in Konkurrenz und vergleiche nicht so viel, weil er einfach ein guter Freund von mir ist, ich unterstütze ihn eher, als dass er Konkurrent ist.

teleschau: Paul nimmt Toni, den Sie spielen, im Film auf den Arm und kritisiert, dass er so viel trainiert. Haben Sie für den Film extra Gewicht zugelegt?

Schweighöfer: Ich habe da weniger trainiert, aber Flo hat viel gemacht - er sieht auch super aus im Film. Aber irgendwann ist das gekippt, weil er so viel trainiert hat, dass ich dachte: 'Alter, jetzt musst du mal stoppen, das ist doch meine Rolle, der hier die Power haben soll und du siehst hier aus wie Arnold Schwarzenegger!' Ich habe so trainiert, dass es in den Szenen okay aussieht. Wir hatten einen guten Trainer. Aber ich mache eh gerne Sport und habe das Gen meines Vaters und meiner Mutter: Wenn ich drei bis vier Mal eine Hantel in die Hand nehme, kommt die Form relativ schnell zurück.

teleschau: Sie rennen in einer Szene splitternackt durchs kalte, verschneite Berlin. Wie viel Überwindung hat das gekostet?

Schweighöfer: Das Schöne an dieser Szene ist, dass ich nicht alleine war. Ich hatte Flo dabei, dem war genauso kalt, und als Regisseur musste er mich ein bisschen mehr schieben und ziehen. Immer, wenn ich fühlte "Gott, keen Bock, es ist vier Uhr morgens hier, es ist windig und kalt!", dachte ich mir, wann laufe ich schon mal in meiner eigenen Stadt mit meinem Kumpel nackt an all den Sehenswürdigkeiten vorbei?! Eigentlich ist das eine coole Nummer. Ich weiß jetzt, wenn ich an der Eastside Gallery vorbeifahre: Hier sind wir nackig entlanggelaufen.

teleschau: Hat es lange gedauert, bis die Szene im Kasten war?

Schweighöfer: Nein, wir haben immer nur so zwei, drei Takes gemacht. In der Woche, in der wir mit dem Dreh anfingen, hatte es minus 17 Grad, und es war so unfassbar kalt - ich wurde direkt krank.

teleschau: Sie und Florian David Fitz spielten schon in "Der geilste Tag" zusammen - sind Sie inzwischen ein eingespieltes Team?

Schweighöfer: Wir kennen uns ja schon, seitdem ich 20 bin. So kennen wir uns einfach sehr gut, und die Kommunikationswege sind dann natürlich kürzer. Dadurch, dass Flo der Autor ist und Teile der Figuren schreibt, indem er Sachen von uns verwendet, wie wir privat sind, ist das viel näher an uns beiden dran.

teleschau: Wie ist es für Sie, der Sie ja auch Regie führen, wenn Sie sich den Anweisungen von Florian David Fitz fügen müssen? Ist er ein strenger Regisseur?

Schweighöfer: Er ist schon sehr genau, weil er ein sehr guter Autor ist. Seine Szenen sind so gut geschrieben, dass man direkt an der Szene dran bleiben kann. Er weiß, was er will. Manchmal redet er ein bisschen viel, aber er macht das wirklich gut. Und er geht gut mit den Befindlichkeiten von allen um.

teleschau: Ist Glück heute etwas anderes als für frühere Generationen, zum Beispiel die Ihrer Großeltern?

Schweighöfer: Ich glaube, die Leute früher mussten so oft umswitchen in ihren Lebensumständen und Zuständen, etwa durch den Krieg. Die waren natürlich ganz anders glücklich, vielleicht mit viel weniger. Heutzutage ist alles so schnell und so viel, dass Glücklichsein einfach schwierig ist, gerade weil alles da ist. Das hatte man früher nicht in dem Maßstab, wie wir das jetzt haben. Ich komme ja aus dem Osten und da waren die Leute eigentlich ganz glücklich, hatte ich den Eindruck. Die hatten ja nicht wenig, aber man kann auch mit wenigen Dingen sehr glücklich sein.

Von Heidi Reutter

Impressum

Das Kinomodul der teleschau verbindet hochwertige Kritiken, Interviews, News und Trailer mit regionalen Kinodaten.

Die technische und inhaltliche Pflege übernimmt teleschau für Sie. Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme:

teleschau - der mediendienst GmbH
Riesstraße 17
D-80992 München
Tel.: +49/89/143419-0
marketing@teleschau.de
Web: http://www.teleschau.de
Impressum: Impressum