"Nightlife"
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 14.02.2020
Regisseur: Simon Verhoeven
Schauspieler: Elyas M’Barek, Palina Rojinski, Frederick Lau
Entstehungszeitraum: 2019
Land: D
Freigabealter: 12
Verleih: Warner Bros. Entertainment
Laufzeit: 115 Min.
Einmal Chaos mit Schirmchen
Als Elyas M'Barek 2015 in unmittelbarer Nähe zum Münchener Marienplatz eine Bar eröffnete, war der Andrang groß. Schließlich stand der Schauspieler häufig selbst hinterm Tresen, was nicht nur selfiegierige Fans anlockte. Weniger als drei Jahre später kehrte M'Barek der gehobenen italienischen Küche und den exquisiten Drinks den Rücken. Er wolle sich auf seine Arbeit vor der Kamera konzentrieren, die ohnehin zeitaufwendig genug sei, so die Begründung des gebürtigen Müncheners. Dass sich die Berufe als Barkeeper und Schauspieler aber nicht zwingend im Weg stehen müssen, zeigt M'Bareks neue Kinokomödie "Nightlife", in der er sich gemeinsam mit Buddy Frederick Lau aufmacht, an den Kinoerfolg "Das perfekte Geheimnis" anzuknüpfen.

M'Barek verkörpert den Barkeeper Milo, der nach einer durchzechten Partynacht neben einer Frau aufwacht, deren Namen er nicht kennt. Im Zuge einer sich anbahnenden Midlife-Crisis kommt er zur Erkenntnis, dass sich sein Leben ändern muss. Familie, Kinder und Fahrradausflüge - das ist seine Wunschvorstellung. Deswegen schmiedet Milo mit seinem besten Kumpel Renzo (Lau) den Plan, "fucking seriös" zu werden, einen eigenen Club zu eröffnen und lieber tagsüber im Büro zu arbeiten, als sich die Nacht mit Cocktailmixen um die Ohren zu schlagen. Einziges Problem: Die Bank will den Freunden keinen Kredit gewähren. Da hilft auch das leidenschaftliche Engagement des schrulligen Bankberaters Heiko (Leon Ullrich) nichts.

Deswegen nimmt Renzo die Sache selbst in die Hand - und macht alles viel schlimmer. Ein dubioser Job läuft schief, drei Kilo Koks gehen verloren, und plötzlich ist Milo und Renzo die halbe Berliner Unterwelt auf den Fersen. Dabei hat Milo eigentlich überhaupt keine Zeit, seinem Freund aus der Patsche zu helfen. Schließlich ist er schockverliebt in die Musikmanagerin Sunny (Palina Rojinski), die allerdings kurz davor steht, in die USA auszuwandern. Noch am selben Abend haben die beiden deswegen ein Date vereinbart, das Milo unter keinen Umständen verpassen will. Das geplante romantische Abendessen gerät aber schon bald völlig außer Kontrolle.

Ein Spieleabend für die Ewigkeit

Im ersten Drittel von "Nightlife" erzählt Regisseur Simon Verhoeven ("Willkommen bei den Hartmanns") gemächlich von den Lebenssituationen seiner drei Hauptdarsteller. Die Handlungsstränge von Renzo und Milo auf der einen und Sunny auf der anderen Seite verwebt der Filmemacher recht ungelenk, und auch das ein oder andere Klischee wird breitgetreten. Sobald aber die Flucht der Chaos-Kumpels vor ukrainischen Gangstern ihren Lauf nimmt, gewinnt die Komödie deutlich an Fahrt.

Renzo und Milo stolpern von einer absurden Situation in die nächste und hinterlassen verlässlich überall Chaos. Die teilweise zum Brüllen komischen Slapstickeinlagen sind dabei erstaunlich kreativ umgesetzt. Besonders der Spieleabend bei Bankberater Heiko ist höchste Komödienkunst - wohl selten ist ein Fantasy-Rollenspiel derart lustig eskaliert wie in "Nightlife". An dieser Stelle sei allerdings vor dem Trailer gewarnt, der viele Lacher vorwegnimmt und dadurch einiges an Pulver verschießt.

Großartig sind auch die vielen Nebenfiguren und Gastauftritte, die zwar hemmungslos überzeichnet sind, aber trotzdem viel Spaß machen - vom herrlich verklemmten Bankberater Heiko über eine selbstironische "Bachelor"-Parodie von Regisseur Verhoeven bis zu Stephan Luca als fränkelnder Fitnesstrainer mit dem Traum von der großen Musikkarriere. Einer stiehlt aber allen die Show: Nicholas Ofczarek. Mit welcher Selbstverständlichkeit der Österreicher in offenem Bademantel, Unterhose, mit Wabbelbauch und Goldkettchen und mit breitem Wiener Schmäh den Unterweltboss gibt, ist ein Frontalangriff auf die Lachmuskeln. Damit stellt er sogar das erneut bestens harmonierende Duo Lau und M'Barek in den Schatten.

Von Julian Weinberger

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